21Februar
2020

Wie im Film

Freitag. Das heißt in erster Linie ausschlafen. Ich zwang mich aber wieder ins Fitnesscenter um 11 Uhr und machte ein paar Übungen. Langsam aber sicher entwickle ich eine Routine. Im Fitnesscenter wird man auch einfach deswegen angespornt, weil man so viele andere Studenten um sich hat, die an sich arbeiten. Ich ging in die Mensa, die diesmal wieder übervoll war, weil Schüler und Eltern aus der High School sich heute die Uni anschauen durften. Eng nebeneinandersitzend aß ich Fish & Chips, die gar nicht mal so schlecht waren. Der Nachmittag verlief zur Abwechslung mal ruhig, aber leider war ich im Konferenzraum wieder recht unproduktiv. Bis zum nächsten Termin schaffte ich es nicht mal, mein Assignment abzugeben, für das ich nur zwei Dinge nachschauen musste und Dateien hochladen musste. Aber nicht so schlimm, Zeit ist noch genug.

Um 17 Uhr waren dann einige von uns eingeladen. Und zwar von Mike, dem Englisch-Konversationspartner von Joaquin. Viele der Leute mit denen ich so rumhänge sind ja nur hier um Englisch zu lernen. Das Englisch-Center an der UNR bietet dafür auch eine Art Buddy-Programm an, das einem einen Gesprächspartner vermittelt. Wir lernten Mike vor einigen Wochen kennen, als er mit Joaquin im Konferenzraum saß. Er lud uns daraufhin zu ihm zum Essen ein, das heute stattfinden sollte. Mike holte mich, Peter, Reggy, Diana und Joaquin mit einem großen Truck ab und fuhr uns zu seinem Haus im Nordwesten Renos. Nazir, ein Student aus Saudi-Arabien saß schon im Auto drin. Er wirkte ganz nett und erzählte uns allen von seiner Begeisterung für Jürgen Klopp. Bei Mike's Haus angekommen, begrüßten wir ein paar andere Studenten, die schon von Mike's taiwanesischer Frau Angel abgeholt wurden. Darunter waren zwei südkoreanische Studenten und ein japanischer Student. Außerdem lebt aktuell Jacob im Haus der beiden, ein Business-Student aus Sambia. Und die Familie hat sogar ein Baby, den etwa ein Jahr alten Robin. Eine bunte Mischung also! Wir spielten eine Runde Jenga zum Aufwärmen und stellten uns vor. Dann gab es auch schon Essen und zwar mexikanische Tacos (die soften, denn das ist wirklich mexikanisch) mit Fleisch, Bohnen, einer Zwiebel-Koriander-Paste und zwei Arten Salsa, dazu noch Reis. Es schmeckte wirklich himmlisch! Wir unterhielten uns ein wenig und Mike hatte sogar ein paar Fragen vorbereitet in denen es um unsere Kultur ging und was wir an unserem Land schätzen oder ändern würden. Das war eine ganz gute Idee, da man so wirklich die Realität über andere Länder erfuhr und nicht immer nur die schönen Seiten und die Stereotypen. Wir spielten noch ein paar Runden Jenga mit höheren Schwierigkeitsgraden (am öftesten fiel der Turm natürlich bei mir um) und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder und wurden von Mike nach Hause gefahren. Es waren erfrischende zweieinhalb Stunden, Mike war sehr nett und wir haben in den letzten Tagen eigentlich immer nur mit den gleichen Leuten rumgehangen. Daher war es auch mal wieder nett, neue Leute zu treffen. Wer weiß, vielleicht kommen wir ja noch öfters zum Essen? :)

Dann aber ging der Abend los. Heute hatten alle Lust auf Party! Wir schmissen uns in Schale und trafen uns zum Vorglühen in Dianas Zimmer. Wir, das waren Diana, Reggy, Joaquin, Peter, Olaia (die ich in Zukunft einfach Oli nennen werde, weil das ihr Spitzname ist), Brooke, Madi und ich. Diese Gruppe sollte eine Nacht erleben, die sie so schnell nicht mehr vergessen werden wird. Ich werde nicht weit ins Detail gehen, da ich hier doch irgendwo auf die Privatsphäre der Leute achten muss. Daher nur ein kleiner Abriss der Ereignisse: Wir kauften etwas im Laden nebenan bei der Tankstelle und glühten damit vor. Da wir noch ausgehen wollten, fuhren wir mit einem Uber zum "Loving Cup", einer kleinen Bar, in der man aber auch tanzen konnte (ist es damit ein Club?). Details werden nicht verraten, aber vieles was man an diesem Punkt erwarten könnte, war auf jeden Fall dabei. Gegen 2 Uhr kamen wir alle auf unterschiedliche Weise wieder in der Sierra Hall an, wo das Ganze noch nicht zu Ende war. Erst am nächsten Tag erfuhr jeder, was alles passiert war. Ich muss sagen, ich fühle mich aktuell wie in einem College-Film. Und ich finde es gar nicht mal so schlecht. Ich bin gespannt auf den nächsten Tag...

Da ich weiß, dass viele besorgte Familienmitglieder diesen Blog lesen: Keine Sorge, nichts schlimmes ist passiert! Es war einfach nur zu verrückt, um es öffentlich mit der Welt zu teilen und ich schreibe auch gerne reißerisch.

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Musikempfehlung des Tages: Asher Roth - I Love College

20Februar
2020

Stufe 1 - und nicht weiter

Prüfungstag! Der begann aber wie jeder Donnerstag erstmal mit Climatology um 9 Uhr. Und das war heute zwar wieder langweilig, aber auch nicht gerade angenehm an sich. Denn, wir bekamen zu sehen, was bis Spring Break in 3 Wochen noch alles ansteht (eigentlich ist jede Stunde irgendwas abzugeben) und wir wurden in Gruppen eingeteilt für ein Gruppenprojekt. Wer mich kennt weiß, dass das nicht unbedingt meine liebsten Projekte sind, aber naja, wir werden sehen. Ich bin mit Miguel und Destiny in einer Gruppe und wir müssen uns über das La Niña informieren. Na mal sehen.

Nach Ende der Stunde war es dann soweit. Meine erste Prüfung in den USA stand an (GIS I = Geoinformationssysteme etc.). Scott Kelley teilte allen die Zettel aus und dann ging es auch schon los. Es waren tatsächlich etwa 20 Multiple Choice-Fragen, eine Aufgabe wo man Begriffe sortieren musste, 10 Wahr-oder-Falsch-Fragen und lediglich am Ende zwei Fragen wo man wirklich was hinschreiben musste. Ich kam recht gut durch die Prüfung und brauchte am Ende lediglich etwas länger, weil ich mich bei etwa 3 Fragen nicht auf eine Antwort festlegen konnte. Angesetzt waren 75 Minuten (eine normale Klassenlänge), aber als ich nach 45 Minuten abgab, war ich der drittletzte von etwa 80 Studenten. Was will man bei Multiple Choice aber auch erwarten? Scott teilte mir bei der Abgabe noch freundlich mit, dass nächste Woche kein Geography Colloquium ist und ich verließ daraufhin den Saal. Ich habe ein gutes Gefühl, aber ich weiß nicht ob mein aktueller Punkteschnitt von 100%(!) nicht doch etwas leiden wird.

Durch die gewonnene Zeit hatte ich sogar Zeit etwas zu essen, was sonst donnerstags immer etwas schiwerig ist wegen der Klasse um 12 Uhr. Ich lief zu "The Den" und traf zufällig wieder auf Ema, die ja heute auch eine Prüfung hatte. Sie war gerade auf dem Weg zu "The Overlook", einer anderen "Mensa", die aber nur über Meal Trades funktionierte, da es kein All-you-can-eat ist (hoffe das ergibt Sinn). An der Nudeltheke ließ ich mir frische Nudeln machen, die aber eher so semi gut schmeckten. Dafür war der Ausblick (der "Overlook") über den Manzanita Lake auf dem Campus sehr schön. Ich wäre gerne länger dageblieben, aber da um 12 Uhr ja meine Numerical Modeling-Klasse beginnt, musste ich Ema alleine lassen und sprintete über das "Quad" zum Paul Laxalt Mineral Engineering Building. Leider muss ich aber ins Paul Laxalt Mineral Science Building. Beide sind aber verbunden, nur leider habe ich noch nicht ganz raus wo sie verbunden sind. So verlief ich mich erstmal und ging daraufhin einmal ums gesamte Gebäude in meinen gewohnten Hintereingang, von wo aus ich den Weg kenne. Natürlich kam ich deswegen zu spät und Scott McCoy hatte schon angefangen. Es ging in Numerical Modeling heute los mit richtigen Anwendungen, weg von den Python-Tutorials und ich merkte, dass sich das Level erhöhte. Wir sollten das Vorkommen und den Zerfall von Beryllium-10- und Aluminium-26-Isotopen graphisch darstellen und das sowohl numerisch als auch analytisch. Gottseidank leitete Scott die Formeln her, denn woher hätte ich sowas bitte wissen sollen? Am Ende war eigentlich klar was zu machen ist, aber dennoch hatte ich einige Schwierigkeiten, mit denen Scott mir aber helfen konnte. Noch denke ich, dass diese Klasse einfach zu meistern sein wird, aber sie ist dennoch die fortgeschrittenste von allen und ich bin gespannt, ob ich so mithalten kann mit den anderen. Aber das wird schon.

Ich kam in die Sierra Hall und traf im Konferenzraum auf die üblichen Verdächtigen. Viel Zeit um produktiv zu sein war nicht, denn heute stand etwas ganz anderes auf dem Plan: Nach ewigem Hin und Her, wurde ich von den anderen endlich überredet, mit Klettern zu gehen. Gruppenzwang eben, naja. In Reno gibt es mit BaseCamp eine kleine Kletterhalle in Downtown, die außerdem die höchste künstliche Outdoor-Kletterwand der Welt besitzt. Die anderen wollten letztere noch mitnehmen, bevor es dunkel wird und gingen daher früher. Ich hätte mitkommen können, war mir aber unsicher und außerdem kam Ema als Nachzüglerin auch später, also wartete ich auf sie (die dritte zufällige Begegnung in zwei Tagen) und wir liefen zusammen nach Downtown. Ein Tagespass bei BaseCamp kostet 12$ für Studenten, was ich recht okay finde. Jeder bekommt Kletterschuhe und einen Kreidebeutel und dann kann man auch schon loslegen. Wenn ich Klettern sage, meine ich in diesem Fall übrigens Bouldern. Das heißt, man klettert ohne Sicherung eine kleinere Kletterwand (ca. 5m) hoch und unten gibt es eine große Matte, die einen abfedert falls man fällt oder springt. Bei BaseCamp gibt es 11 Schwierigkeitsstufen (von Stufe 0 bis Stufe 10). Ich versuchte mich gleich zu Beginn an Stufe 0 und war erstaunt, wie gut ich doch hochkam, dafür dass ich Klettern sonst immer vermeide. Schon beim zweiten Versuch schaffte ich es bis ganz nach oben und hatte sogar ein bisschen Spaß dran. Verrückt! Man merkte allerdings den Unterschied zwischen Stufe 0 und Stufe 1. Ich brauchte einige Anläufe, bis ich einen Stufe 1-Kurs hinbekam. Und danach waren meine Hände und Arme auch schon so fertig (nach etwa 30 Minuten), dass ich zu nicht mehr viel anderem fähig war. Stufe 2 war für mich beim besten Willen nicht machbar und ich frage mich, wie Leute es bis zu Stufe 10 schaffen. Ich konnte ein paar andere Kletterer dabei beobachten. Entweder die haben einfach eine gute Körperbeherrschung und starke Armmuskeln oder sie haben eine Art Alpensteinbock-Gen - eins von beiden muss es sein. Die anderen (Reggy, Joaquin, Olaia und Peter) gingen früher, da sie ja auch früher gekommen waren. Ich blieb noch etwas länger, kam aber am Ende nicht mal mehr die Stufe 0 hoch. Das war dann auch für mich das Zeichen zu gehen. Ema blieb noch etwas, da sie Skye eingeladen hatte (sie ist ein RA in der Sierra Hall und im Kletterclub), die dann auch irgendwann kam. Ich hätte den beiden natürlich eine Stunde zuschauen können, aber das erschien mir dann doch eher als verschwendete Zeit. So lief ich alleine wieder zur Sierra Hall, wo ich mir erstmal von allerlei Leuten Essensempfehlungen holte. Das Abendangebot der Mensa war nämlich schon vorbei. Da ich aber kein Geld ausgeben wollte, wartete ich bis 21 Uhr und ging dann zum Late Night Dinner in die Mensa. Und irgendwie genoss ich es, mal alleine zu essen und auch so mal Zeit für mich zu haben. Ich bin doch schon oft unter Leuten und auf dem Zimmer ist ja auch immer wer. Einfach in der Ecke zu sitzen, Leute beobachten, ein kühles Dr. Pepper schlürfen und einen Chickenburger essen - das brauchte ich nach dieser anstrengenden Woche irgendwie. Ich ließ mir besonders viel Zeit und kam dann nochmal zurück in den Konferenzraum, aber konnte einfach nichts produktives mehr machen. Stattdessen unterhielt ich mich eine Weile mit Diana und wir schauten später noch eine Folge "The Office" (das amerikanische Pendant zu Stromberg, aber tausendmal lustiger). Diese Serie kann ich wirklich nur jedem empfehlen. Da es diese Serie nur in den USA auf Netflix gibt, habe ich vor, sie bis zum Ende des Semesters komplett durchgeschaut zu haben. Da hab ich mir ja was vorgenommen. Gegen 1 Uhr saß nur noch Kiki im Zimmer und sie zeigte mir ihre Lieblingsszene aus "The Office". Mit Tränen vor Lachen verließ ich den Raum und ging ins Bett. Es gibt schlimmeres. :)

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Musikempfehlung des Tages: The 1975 - Somebody Else

19Februar
2020

Ein voller Tag vor der ersten Prüfung

Auch wenn ich heute zwar ausschlafen konnte, stand ich etwas früher auf als sonst (in dem Fall heißt das um 9:30 Uhr), da ich noch einige Dinge tun wollte. Das war zum einen das Fitnesscenter. Ich möchte nun öfters die Möglichkeit eines kostenfreien, gut ausgestatteten Fitnesscenters nutzen, um ein bisschen mehr in Form zu kommen. Ich bin irgendwie angefixt, denn Sport gehört hier für viele fast wie selbstverständlich dazu. Ich machte mich also auf den Weg, drehte vor Ort ein paar Runden und nutzte ein paar Geräte und versuchte die Empfehlungen von Mia von Muscle Hustle umzusetzen. Mal sehen, ob man am Ende eine Veränderung merken wird...

Gegen 11 Uhr ging es dann weiter zum Mackay Science Building. Dort ist nämlich das Büro meines GIS-Professors Scott Kelley. Seine Sprechzeiten (Office Hours) sind immer mittwochs zwischen 11 und 12 Uhr und da ich ja gestern nicht zur Klasse gekommen bin, wollte ich ihm noch einige Fragen stellen. Er war aber irgendwie nicht da, was mich etwas wunderte. Ich wartete ein wenig und gerade als ich wieder gehen wollte, kam er ins Gebäude rein und entschuldigte sich. Ich war ja letzte Stunde nicht da und hatte deswegen nicht mitbekommen, dass die Office Hours heute um eine halbe Stunde nach hinten verschoben wurden. Er hatte aber Verständnis dafür. Ich stellte ihm einige Fragen, die er mir recht gut beantworten konnte. Am Ende fragte er mich noch wie es bei Bernie Sanders war und wir sprachen noch eine kurze Weile über deutsche und amerikanische Politik. Er ist ein wirklich cooler Professor!

Nach dem üblichen Mittagessen ging ich diesmal gleich in die Bibliothek. Ich musste noch eine Mail schreiben und mich auf die Prüfung morgen vorbereiten. Da das aber alles schneller erledigt war als gedacht, lief ich nochmal zum WolfShop um mich dort nochmal umzusehen. Heute gab es nämlich wieder 20% auf alles. Leider fand ich nichts und so lief ich dann gleich weiter ins Mackay Science Building zum Geography Colloquium, wo ich wieder auf Scott traf und einem Vortrag über die stetige Entwicklung von Großstädten lauschte. Dr. Gustavo Ovando-Montejo von der Utah State University überzog aber leider ein ganzes Stückchen, was ihm glaube ich selber nicht wirklich auffiel. Es war dennoch ein interessanter Vortrag und natürlich ging ich im Anschluss gleich nochmal in die Bibliothek, da ich den Vortrag ja zusammenfassen musste und meine Meinung schildern sollte. Nachdem das so gut es geht erledigt war, ist dann auch schon wieder Dinner angesagt. Ihr seht es - es sind die immer gleichen Abläufe.

Seit morgens um 9:30 Uhr war ich nicht mehr zuhause und das sollte auch erstmal so bleiben. Ich ging nämlich zum Lernen wieder in die Bibliothek, aber ich nahm einen Umweg über das Fitnesscenter. Dort hatte ich heute früh meine Sportsachen eingeschlossen, damit ich diese nicht mit zu Scott ins Büro nehmen muss. Hätte ich sie über Nacht dringelassen, wären sie vermutlich ausgeräumt worden, da das mit allen Spinden jede Nacht gemacht wird. Mit Sportsachen setze ich mich also an einen Tisch im Eingang der Bibliothek und machte mich an die Arbeit. Gut eine halbe Stunde später kam Ema rein, was mich verwunderte, da sie vorher noch sagte, dass sie nicht in die Bibliothek gehen will heute. Ich ging zu ihr in den 5. Stock, was der "stille Stock" ist. Das ganze Stockwerk ist abgeschirmt, sodass man die Geräusche der anderen Teile des Gebäudes nicht hört. Außerdem verhält sich jeder ruhig, man muss also wirklich flüstern. Naja, so schaffte ich jedenfalls alles was ich heute schaffen wollte und fühlte mich am Ende gut vorbereitet auf die Prüfung morgen. Als wir gegen 23:50 Uhr das Gebäude verließen, rief Ema zu meiner Überraschung den Campus Escort. Das ist eine Art kostenloser Abholservice für Studenten, die innerhalb oder nahe des Campus irgendwo hin wollen, aber nicht alleine laufen wollen. Ich selbst wäre nie im Leben draufgekommen, hier den Campus Escort zu rufen, aber für Ema schien es das normalste der Welt zu sein. Das Auto stand auch direkt bereit und wir quetschten uns zu einigen anderen Studenten ins Auto. Als einige dieser Studenten dann am Jot Travis Building rausmussten, wollte ich schon fast mit aussteigen, da das sehr nahe an der Sierra Hall ist. Der Fahrer fuhr aber noch 200 Meter weiter und ließ uns direkt an der Sierra Hall raus. Amerika in einer Nussschale. Da ich vom ganzen Tag recht geplättet war, ging ich nicht mehr mit Ema in den Konferenzraum, sondern begab mich direkt in mein Zimmer, wo ich dann auch recht schnell ins Bett ging. Morgen ist ein großer Tag - meine erste Prüfung in den USA!

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Musikempfehlung des Tages: Flipturn - Savannah

18Februar
2020

Feel The Bern!

Dieser Tag begann wieder mal wie jeder andere Dienstag. Früh aufstehen und dann zu Climatology, was nicht gerade spannend war. Das änderte sich aber danach. Ich hatte schon seit einer Woche überlegt, was ich nun machen soll. Soll ich zur GIS-Klasse gehen, in der heute die letzte Stunde vor der Prüfung ist und wir nochmal über alle wichtigen Dinge reden? Oder soll ich einfach nicht hingehen und dafür die einmalige Chance nutzen, Bernie Sanders live zu sehen? Ja richtig, Bernie Sanders besuchte heute die Universität, um nochmal Wähler zu mobilisieren für die demokratischen Vorwahlen in Nevada. Auch andere Politiker sind in den letzten Tagen nach Reno gekommen (gibt ja in Nevada auch nicht viele andere Städte), allerdings haben die alle irgendwelche Middle Schools oder Coffee Shops besucht und ich war auch nicht so interessiert daran. Aber Bernie Sanders direkt hier an der Uni? Die Chance musste man eigentlich schon nutzen. Ich entschied mich also spontan dafür, nicht zur Klasse zu gehen und lief stattdessen zum Lawlor Events Center, wo ich in einer kleiner Schlange erstmal eine Weile anstehen musste. Mein Rucksack wurde dann überprüft und ich musste mein Wasser abgeben und meinen Müsliriegel wegwerfen. Schade. Danach kam ich in einen kleineren Raum, wo eine kleine Bühne aufgebaut war und sich schon einige Leute und Kamerateams befanden. Ich war etwas überrascht, da ich dachte, dass die Veranstaltung in der großen Arena stattfinden würde (wo sonst auch die Basketballspiele stattfinden). Der kleinere Raum war aber vollkommen ausreichend. Ich suchte mir einen relativ okayen Platz und nach einigen Minuten ging es auch schon los. Es gab ein paar Vorredner, wie die Präsidentin des "Students 4 Bernie"-Vereins in Reno oder eine Lokalpolitikerin aus dem Stadtrat. Dann war es soweit: Bernie Sanders kam herein und die Menge jubelte. Viele Leute hielten Schilder hoch und es kam genau die Stimmung auf, die man erwartet, wenn man solche "Rallys" schon mal im Fernsehen gesehen hat. Alle waren begeistert und klatschten zu allem was Bernie sagte. Er redete hauptsächlich über sein Programm, was er ändern will im Gesundheitssystem, Bildungssystem, Steuersystem usw. Von einem deutschen Standpunkt aus gesehen, sind seine Forderungen nichts utopisches. Für manche Amerikaner allerdings schon. Ich denke aber, wenn jemand Trump dieses Jahr schlagen kann, dann ist es Bernie. Sein Programm grenzt sich eindeutig von denen der anderen ab und er ist der komplette Gegensatz zu Trump. Schauen wir mal, dazu muss er ja erstmal zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gewählt werden. Bisher sieht es ja ganz gut aus. Mal sehen wie die Wahlen in Nevada am Samstag werden. Bernie rief am Ende dazu auf, dass alle jetzt mitkommen sollen und in die Joe Crowley Student Union rüberlaufen sollen. Dort ist nämlich nur noch heute das "Early Voting" möglich. Die Menge setzte sich also in Bewegung, denn jeder dachte, er läuft jetzt mit allen rüber zum Campus. Wie sich später herausstellte, stieg er doch gleich in sein Auto und fuhr weiter zum Flughafen. Dennoch bildete sich eine große Menschenmenge vor der Student Union und Kamerateams interviewten ein paar Leute. Es gab auch drei Leute, die mit einem großen "Socialism sucks"-Banner auf der Wiese standen. Ein Mann diskutierte mit ihnen aber ich glaube da kam nichts bei raus. Ich erkannte auch den Typen wieder mit dem ich mich auf der Club Fair lange unterhalten habe. Er macht offenbar bei jedem solchem Kram mit. In der Student Union bildete sich eine ellenlange Schlange an den "Early Voting"-Stellen, die sich bis in den späten Nachmittag ziehen sollte. Schön, dass er direkt etwas bewirkt hat. Wer übrigens seine 15-minütige Rede in Reno sehen will, der kann das hier tun: https://www.youtube.com/watch?v=J50uFUJBMp4 (es beginnt etwa an der 25 Minuten-Marke).

Ich ging anschließend zum Essen und dann wieder mal in den Konferenzraum mit den üblichen Verdächtigen. Richtig viel bekam ich aber nicht gebacken und so ging ich gegen 16 Uhr runter in mein Zimmer um alles für eine weitere Ausgabe Muscle Hustle zusammenzupacken. Dabei traf ich auf unseren Mitbewohner Parker, der mich überraschenderweise ansprach und nach unserem Wochenende in San Francisco fragte. Ich sprach ein wenig mit ihm und verließ dann sogar das Wohnheim mit ihm, da er auch zur gleichen Zeit zum Campus musste. Er erzählte unter anderem von der Yoga-Klasse, die er besucht und von seinem Wochenende. Am PSAC (Pennington Student Achievement Center) verabschiedete ich mich von ihm. Wow, das kam unerwartet, kannten wir ihn doch als sehr ruhigen Zeitgenossen, der manchmal nicht mal "Hallo" sagt. Aber auch da sieht man mal wieder, man muss nur mit den Leuten reden. Die meisten sind gar nicht so komisch wie man denkt.

Leider kam ich ein wenig zu spät zu Muscle Hustle aber das war okay. Was folgte war aber die anstrengendste Stunde überhaupt. Wir machten nicht nur die normalen Übungen unten in der Free Training Area sondern sollten zwischendurch auch zweimal die Treppen hochlaufen und im 4. Stock eine Runde auf der Leichtathletikbahn laufen. Dazu kamen noch einige harte Übungen zum Schluss, sodass ich am Ende wieder mal richtig fertig war. Zurück in der Sierra Hall duschte ich daher erstmal ausgiebig und ruhte mich aus, bevor dann schon wieder Dinner anstand. Essen - Sport - Uni. Mehr mache ich hier eigentlich nicht. :D Ich musste aber langsam mal anfangen, mich auf die GIS-Prüfung am Donnerstag vorzubereiten. Daher ging es danach wieder in - ihr wisst es mittlerweile - Konferenzraum mit den anderen, wo Ema bereits drinsaß. Etwa die Hälfte von uns wollte lernen, aber die andere Hälfte unterhielt sich stattdessen (auf spanisch über spanische Wörter und Zungebrecher). Noise-Canceling-Kopfhörer sind schon was gutes! Das hatten die anderen leider nicht zu bieten und so gingen Diana und Reggy kurzerhand auf ihre Zimmer und Ema ging nochmal ins Fitnesscenter(!). Ich muss sagen, dass ich am irgendeinem Zeitpunkt auch mitgemacht hab bei dem ganzen Sprachenthema und ich es den anderen auch nicht übel nehme. So ist das eben, wenn man mit einer großen Gruppe abhängt. Als gegen 0 Uhr fast alle verschwunden waren, vervollständigte ich dann meine Fragen zur Prüfung und zu meiner Überraschung kamen auch Ema und Reggy wieder und wir redeten noch kurz und machten Hausaufgaben zusammen. Eine kleinere Gruppe ist da dann doch produktiver. Jap, und dann war Bettgehzeit. Chao!

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Musikempfehlung des Tages: Smash Mouth - Come On, Come On

17Februar
2020

Der unproduktivste Tag überhaupt

Noch nie habe ich mich an einem Tag so konstant müde gefühlt wie an diesem Tag. Das hing damit zusammen, dass wir nach unserem Trip spät schlafen gegangen sind und auch sonst nichts weiter lief. Hauptauslöser war aber Steve. Steve ist einer der drei Kater von Kiki's Familie. Er verbrachte die Nacht mit einigen von uns unten im Keller. Und offenbar konnte er nicht wirklich schlafen, weswegen er nachts über jeden von uns drüberstieg. Mein weiches Sofa mochte er wohl am meisten, denn er erschreckte mich so oft, dass ich am Stück wohl nur maximal zwei Stunden geschlafen habe. Ich habe nichts gegen Katzen und er hätte auch gerne neben mir schlafen können, aber sobald ich mich bewegte, bewegte er sich auch, stand auf und suchte sich ein anderes Plätzchen irgendwo auf mir oder neben mir. Naja, ich stand es durch. Komplett müde wurden wir in der Früh mit Frühstück überrascht, das Kiki's Mutter gemacht hatte. In Kalifornien ist heute kein Feiertag, weswegen sie eigentlich arbeiten müsste - sie kündigte aber vor kurzem ihren Job und ihr neuer beginnt erst in zwei Wochen. So freute sie sich, dass was los ist und bewirtete uns wo sie nur konnte. Auch eine Familienfreundin war da, die mit mir und Diana über Deutschland sprach und von ihrem Besuch 1990 in Berlin erzählte. Spannende Zeit würde ich sagen! Im Laufe des Morgens wollte Kiki, dass wir uns "The Princess Bride" ansehen, was wohl ein Klassiker in Amerika ist. Noch nie davon gehört. Es ist eine Art Märchenerzählung aber mit einer ganz sonderbaren Komik. Hab sowas noch nie gesehen. Wir schauten uns den Film in ausklappbaren Sitzen an, was ein Fehler war, denn so schliefen die meisten zwischendurch ein. Auch ich sah den Mittelteil nicht. Am Ende wurden wir dann aber gleich wieder von Kiki's Mutter mit improvisiertem mexikanischen Essen versorgt und Reggy backte daraufhin als Dank dafür nochmal eine Ladung ihrer Cookies.

Wir waren zu viele für Kiki's Auto, daher mussten wir auf Brooke warten, die heute auch nach Reno fuhr und einige von uns aufgabelte. Es war etwa 15 Uhr als sie kam und auch Kiki machte sich fahrbereit. Und so ging es wieder das Gebirge hinauf nach Nevada. Diesmal gottseidank bei strahlendem Sonnenschein und flüssigem Verkehr (nicht so auf der Gegenfahrbahn, die Wochenend-Rückkehrer aus Tahoe mussten Geduld mitbringen). Die Fahrt verlief ruhig und am Ende kamen wir geplättet an der Sierra Hall an. Ich legte mich erstmal für eine Stunde hin, ging dann mit den anderen Essen, wo wir auf Aurora, Ema, Olaia und Rayven trafen, die uns ausfragten wie es war. Ich war fast ein bisschen froh, dass ich etwas weiter weg von ihnen saß, so musste ich nicht allzu viel reden. Heute war echt nicht mein Tag. Im Konferenzraum ging es dann ähnlich weiter. Ich hatte mir viel vorgenommen, schaffte es am Ende aber nur, die paar Caches zu loggen, die ich die Woche über gefunden hatte und sonst nichts. Ich laberte noch ein wenig, vor allem mit Aurora und Ema über die USA, ob wir es hier mögen und über unsere eigenen Länder. Wenigstens das war produktiv. Um 0 Uhr gingen wir dann endgültig auf unsere Zimmer, wo ich mit Peter noch schnell das Wasser unserer Fische wechselte und dann ins Bett ging. Naja, so bleibt hoffentlich mehr Kraft für den Rest der Woche. Die werde ich sicherlich brauchen!

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Musikempfehlung des Tages: Lit - My Own Worst Enemy

16Februar
2020

Party at the Frisco Bay

Das wird ein längerer Eintrag. Leider muss ich ihn deswegen auch ein bisschen aufschieben. Aktuell ist Uni nämlich dringender. Ein kleiner Vorgeschmack:

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Musikempfehlung des Tages: Cascada - San Francisco

15Februar
2020

Sturmfrei in California

Dann lasst das verlängerte Wochenende beginnen! Um 11 Uhr ging es nicht ganz pünktlich los. Wir quetschten uns in Kiki's Auto und wir fuhren los Richtung Westen. Ich war noch etwas müde und ich kannte die Strecke mit den coolen Aussichten ja schon also versuchte ich, mich ein wenig auszuruhen. Nach etwa 1 Stunde 45 Minuten waren wir in Newcastle bei Kiki's Haus angekommen, das wir ja schon vom Super Bowl kannten. Wir wurden von Hunden und Katzen begrüßt und diesmal nicht von Kiki's Eltern (die sind nämlich bis Sonntag Abend außer Haus), sondern von Luke und Connor. Luke ist Kiki's Cousin und Connor is dessen Freund. Die beiden sind etwa 18 Jahre alt und kamen rüber wie typische Amerikaner vom Land, sowohl vom Aussehen als auch von dem was sie erzählten. So lernt man auch mal die Stereotypen kennen. Kiki fuhr dann mit Joaquin los um dessen Zwillingsbruder Nicolas aus Sacramento abzuholen. Er macht auch ein Auslandssemester in den USA und zwar an der University of Southern California in Los Angeles. Um nach Sacramento zu kommen fuhr er 13 Stunden mit dem Bus. Respekt! Auf dem Rückweg holte sie noch Jiwon und Momo ab, die aus Auto-Platzmangel mit dem Bus nach Roseville gefahren sind. In der Zwischenzeit fuhr Luke uns zum Save Mart in Auburn, in dem wir letztes Mal schon waren. Reggy wollte sich in Kiki's Küche austoben und kaufte daher allerlei Zutaten für Cookies und Abendessen ein. Währenddessen kauften Peter und ich ein paar Snacks und wir unterhielten uns mit Luke, der viele Fragen zu deutscher und koreanischer Geschichte stellte (er studiert unter anderem Geschichte). Manche davon waren auch etwas komisch. Ich glaube er hat an dem Tag viel gelernt. Am Ende kaufte ich dann noch einen 30er Pack Coors Light, da ich der einzige Typ über 21 war und wir zumindest ein bisschen Alkohol kaufen wollten. Der 30er-Pack Coors Light war übrigens Luke's Idee. Als wir dann wieder zurück zum Haus kamen, war Kiki schon wieder da mit den anderen (das ging echt schnell). Und so lernten wir Nicolas kennen, der wirklich fast exakt aussieht wie sein älterer Zwillingsbruder. Er hat eine etwas höhere Stimme und ein weniger definiertes Gesicht (sagt man das so?) als Joaquin, aber ansonsten könnte man meinen es sei der gleiche Mensch. Joaquin warnte uns vor, dass viele Leute sagen, dass Nicolas ihr Lieblingszwilling ist, weil er so lieb ist. Er raucht zum Beispiel nicht. Am Ende des Trips konnten wir das dann auch nachvollziehen. Aber nichts gegen Joaquin, wir ziehen ihn einfach nur gerne auf. :P

Wir verbrachten den Nachmittag zunächst mit Ping Pong und mit Trinkspielen, die Luke und Connor uns beibrachten. Reggy backte sich währenddessen die Seele aus dem Leib und war voll in ihrem Element. Sie führt in den Philippinen sogar ein kleines "Baking Business". Wir waren also alle gespannt wie ihre Cookies denn schmecken. Und ich kann euch sagen: Die Cookies von "The Den" oder von Chips Ahoy könnte man da fast in die Tonne treten. Sie hat nicht zu viel versprochen. Nach diesem Snack machte sie sich gleich weiter ans Abendessen. Zum ersten Mal seit einem Monat hat sie wieder eine Küche zur Verfügung und das wollte sie ausnutzen. Wir anderen spielten daher zunächst ein wenig Basketball vor dem Haus, aber es gab keinen aufgepumpten Ball was das Ganze ein wenig erschwerte. Dann kamen noch zwei von Kiki's Freundinnen aus der Umgebung vorbei - Alyssa und Mia. Sie machten ein bisschen mit beim Basketball, bis irgendwann Reggy zum Essen rief. Es gab panierte Hähnchenteile mit Klebereis (dem guten!) und dazu eine Art Knoblauchsauce. Himmlisch! Mittlerweile war es schon länger dunkel und wir gingen runter in den Keller und spielten ein paar Spiele gemeinsam. Das war ganz nett. Da wir alle am nächsten Tag früh aufstehen wollten, machten wir dann auch alle nicht so lange und gegen 23 Uhr war Schluss. Kiki's Freundinnen verabschiedeten sich und wir suchten uns alle einen Schlafplatz, die meisten von uns unten im Keller. Ich schnappte mir ein gemütliches Sofa, das mit jedem Bett mithalten kann. Kiki's Familie ist wahnsinnig gut ausgestattet mit Matten und Decken, es hätten bestimmt noch 10 Leute hier schlafen können. Morgen geht es dann bis zum Goldenen Tor. Roadtrip!

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Musikempfehlung des Tages: Queen - Don't Stop Me Now

14Februar
2020

Ein melancholischer Tag

Heute werde ich mal nicht alles im Tagebuchstil aufschreiben. Der Tag bestand nämlich aus nicht wirklich vielen spannenden Dingen. Einen kurzen Abriss will ich euch aber dennoch geben.

Wir hatten Lunch mit Olaia und Rayven, die beide danach nach Idaho zu Rayven's Elternhaus fuhren (was später noch für Diskussion sorgen sollte). Heute war ja auch Valentinstag, was hier richtig zelebriert wird und ich bekam sogar Geschenke von Peter und Jiwon. Ist bestimmt viel Kommerz dabei, aber war doch recht nett. Am Nachmittag wollten wir rausgehen und liefen einfach so über den Campus mit dem Ziel Tenniswettkampfplätze (denn offenbar haben die das hier doch, aber nur für Athleten). Das Spiel war aber schon aus und wir sammelten lediglich Rewards-Punkte (zu kompliziert, um es hier zu erklären) ein. Danach schlenderten wir rüber zum Baseball-Feld, was offen war und wir konnten kurz reinschauen. Als wir danach einen Cache suchten, fanden wir eine schöne Kunstinstallation vor und ich warf einem Typen seinen Fußball zu, der vom nahegelegenen Fußballplatz auf unsere Seite rübergeflogen war und ich unterhielt mich kurz mit ihm. Wir fanden noch einen coolen Cache und stellten dann in der Sierra Hall fest, dass Free Laundry Weekend war. Wir machten also alle unsere Wäsche - kostenlos. Diana machte sogar 3 Ladungen gleichzeitig und ich machte auch nochmal eine extra Ladung für meine Bettdecke. Abends hatte ich ein kleines Dinner in "The Den" mit Peter und Diana und Ema, die wir zufällig trafen. Im Anschluss hingen wir kurz im Konfernezraum ab, wo Joaquin's Mitbewohner Xavier mit reinkam und uns auf einmal zu einer Partie UNO förmlich zwang. Wir spielten ein wenig, aber wir hatten eigentlich andere Sachen im Kopf und er kam uns auch ziemlich komisch vor, so von seiner Art her. Als er den Raum wieder verließ, wurde Joaquin von Kiki angerufen und die beiden nahmen einen Uber zu einer Bar in Midtown. Wir, der Rest, waren zu langsam und hatten aber mehrheitlich auch keine Lust. Wir zogen also um in Diana's Zimmer, wo wir Cider tranken, Ema uns einige Geschichten über ihre bisherige Zeit hier in Reno erzählte, wir ein komisches Experiment ausprobierten womit man Leute mit nur zwei Fingern heben kann (auch das ist nicht so einfach zu erklären) und über allgemeine Dinge wie Autofahren, Impfungen und Visa sprachen. Das war es dann auch schon. Morgen geht es Richtung Westen, daher können wir auch nicht allzu spät ins Bett gehen. Aber soviel erstmal zum Tagesablauf.

Während ich heute so in der Nachmittagssonne mit Diana, Reggy, Joaquin und Peter an den ganzen Sportplätzen vorbeilief, die alle auf dem Campus etwas höher liegen, überkam mich eine seltsame Melancholie. Ich bin nun schon seit über einem Monat hier - und es sind nur noch 3 Monate insgesamt. Das ist nicht viel. Ich dachte erstmals so richtig drüber nach, wie gut es mir hier eigentlich gefällt, welche Möglichkeiten ich hier habe und dass mein Alltag eigentlich ganz schön aussieht. Es ist ja eigentlich wie ein Neuanfang. Man führt auf einmal ein komplett neues Leben. Und das heißt, dass man alles anders machen kann als vorher. Ich war in Dresden auf keinen Fall unglücklich, aber ich hatte dennoch oft das Gefühl, dass ich im immergleichen Trott drinstecke und meine Zukunft schon fast ein bisschen vorprogrammiert ist. Davon bin ich hier komplett frei. Bis eben darauf, dass ich bald wieder zuhause sein werde. Mir fällt hier aus irgendeinem Grund vieles leichter. Ich komme in der Uni irgendwie besser klar, ich spreche leichter mit Leuten, ich mache öfters Sachen, die ich sonst nicht machen würde. Als wäre es schon immer so gewesen. Vielleicht liegt mir auch das amerikanische College-System mehr. Man wird hier eben mehr an die Hand genommen, es wird sich mehr um einen gekümmert und da Housing, Essen, Unterhaltung, Sport, etc. alles über die Uni läuft, ist die Stimmung allgemein viel familiärer. Natürlich ist bei dem Ganzen auch ein gewisser Bias mit drin. Vielleicht ist das für Amerikaner ganz anders, die es nicht anders kennen. Dennoch denke ich, dass Deutschland ein bisschen mehr "Zusammenhalt" vertragen könnte. Ich weiß nicht, wie ich das am besten ausdrücken soll, aber in Dresden wird man sowohl in der Uni als auch sonst öfters einfach ins kalte Wasser geworfen und muss sich dann selbst zurechtfinden. Natürlich ist das übertrieben, aber in Deutschland ist die Uni für viele ein Mittel zum Zweck um zu ihrem Traumjob zu gelangen. In den USA ist es ein ganzer Lebensabschnitt, den man gebührend zelebriert. Als ich zwischen den Sportplätzen durchlief, musste ich auch irgendwie an Ema und Olaia denken, die hier vermutlich ihre ganze Studienlaufbahn verbringen werden. Sie kamen genau wie wir aus Europa rüber, um in den USA ihre Karriere zu starten bzw. voranzubringen. Für sie werden wir nur eine kurze Bekanntschaft aus dem ersten Studienjahr bleiben. Sie können das College-Leben richtig auskosten, nicht nur kurz reinschnuppern. Noch dazu haben sie als Athletinnen einige Privilegien und sind angesehen. Natürlich male ich hier ein etwas zu schönes Bild, da die beiden auch viel arbeiten müssen und es ihnen auch nicht immer gefällt, aber der Gedanke, hier in den USA frisch zu starten und alles mitnehmen zu können was geht, gefällt mir irgendwie. Ich frage mich immer wieder, was nach dem Auslandssemester sein wird. Klar, ich schreibe meine Masterarbeit, aber was dann? Dann bin ich kein Student mehr und dieser zugegeben schöne Lebensabschnitt ist vorbei. Das was ich inständig hoffe ist, dass ich nicht mehr in alte Denkmuster zurückfalle, sondern die "Stimmung" hier in den USA mit rüber bringe. Dass ich mich nicht schon vorher einschränke und denke, dass irgendwas nicht klappt oder ich es aus irgendwelchen Gründen nicht tun sollte. Auch wenn aktuell oft vieles dagegenspricht, ich finde, dass die Bezeichnung "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" irgendwie doch wahr ist. Vom Weg hinter den Sportplätzen aus, konnten wir heute fast ganz Reno überblicken und sahen die hohen Berge, die auf allen Seiten hochragen. Dieses Land bietet allein durch seine Größe schon so viele Möglichkeiten, dass die Mentalität der Amerikaner mich keinesfalls überrascht. Willst du Land kaufen, kauf es! Willst du eine Pistole kaufen, mach es! Willst du nur die ganze Zeit Fast Food essen, tu es! Willst du für jede Mahlzeit einen neuen Pappteller verwenden, tu es! Willst du eine umfassende Bildung und daneben jede Woche kostenlos Basketball schauen, hier kannst du es! Willst du während dem Studium mit anderen Leuten stricken, über Disney quatschen, nerdige Videospiele zocken oder über mentale Probleme sprechen, es gibt einen Club für das alles! Seht ihr was ich meine? Natürlich ist das alles aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive oft problematisch. Nehmen wir das Beispiel mit den Waffen oder den Papptellern. In Deutschland wirst du dafür schief angeschaut oder sogar verfolgt (und das auch zurecht). Es geht mir aber eher um die Mentalität an sich: Du kannst alles machen was du willst. Und oft wird dir dabei sogar noch geholfen, damit du so einfach und unbeschwert wie möglich durchs Leben gehen kannst. Und genau das schätze ich an den USA so, deswegen liebe ich es hier zu sein und genau das werde ich auch nach meiner Zeit hier vermissen. Genauso wie die guten Freundschaften, die ich hier geschlossen habe natürlich. Und die vielen anderen Erfahrungen, die man so macht wenn man 5 Monate von zuhause weg ist. Vermutlich ist es genau das, was ein Auslandssemester so wertvoll macht: Alles nochmal auf Anfang und eine ganz andere Perspektive aufs Alltagsleben. Solche Erfahrungen sollte jeder einmal gemacht haben.

So, genug der Melancholie. Sich solche Gedanken von der Seele zu schreiben ist mal eine willkommene Abwechslung von den ganzen Tagebucheinträgen von sonst. Und vor allem hat man seine Gedanken mal geordnet und niedergeschrieben. Ich hoffe, ihr könnt etwas daraus mitnehmen. Morgen geht es erstmal wieder auf ein kleines Abenteuer. Und ich hoffe, dass noch viele kommen werden!

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Musikempfehlung des Tages: Francesco Gabbani - Viceversa

13Februar
2020

Lustlos oder doch nicht?

Es ist Donnerstag, das heißt früh aufstehen und um 9 Uhr zu Climatology gehen. Da brauch ich heute nicht viel erzählen, es war langweilig. Danach heißt es um 10:30 Uhr immer GIS I-Vorlesung bei Scott Kelley. Die Vorlesung war heute aber auch nicht super spannend. Ich unterhielt mich aber mit meinem Sitznachbar (dessen Namen ich nicht kenne), der 49 Jahre alt ist und sich vor zwei Tagen einen Hexenschuss zugezogen hat und sich darüber beklagt hat. Ja, hier findet man ab und an auch ältere Studenten. Das Highlight war für mich aber das Ende. Ich stand gerade von meinem Sitz auf als mich Scott ansprach und fragte, wie es denn so läuft, ob alles gut klappt auch in den Labs und ob ich sonst Fragen hätte auch im Hinblick auf mein finales Projekt, für das ich mir noch ein Thema überlegen muss. Ich quatschte kurz mit ihm und erzählte, dass alles soweit gut läuft und ich eventuell wegen dem Projekt nochmal auf ihn zurückkomme. Wow, es sind über 80 Leute in der Klasse, aber er nimmt sich Zeit für jeden einzelnen und geht auch noch auf mich zu. Er ist schon jetzt einer der besten Professoren den ich je hatte! Ich bin mal gespannt wie es weitergeht, denn in einer Woche ist die erste Midterm-Prüfung in GIS I und eventuell wollte ich die Vorbereitungsstunde am Dienstag ausfallen lassen. Der Spannung halber werde ich nicht verraten warum, aber ihr könnt euch sicher sein, das wäre es schon wert. Gleich im Anschluss geht es gleich zum nächsten Scott - zu Numerical Modeling bei Scott McCoy. Was ich am Anfang für die schwierigste Klasse hielt (nicht nur wegen dem Stoff sondern auch wegen der kleinen Gruppe an Mitstudenten die sich alle kennen), entwickelt sich langsam zu einer angenehm lässigen Klasse. Wir müssen die Belege die wir jede Woche machen sollen nicht mal abgeben und der Stoff ist bisher auch machbar (auch wenn es bisher nur Einführung ist - es wird ab nächste Woche happiger). Ich unterhielt mich ein wenig mit meinen "Peers" Erika und Connor über Geodäsie und Deutschland und Erika erzählte von der Flucht ihrer deutschen Urgroßmutter nach Brasilien und dann in die USA. Irgendwie haben gefühlt 70% der Amerikaner die ich bisher kennengelernt habe deutsche Wurzeln. Die Klasse lief ansonsten recht entspannt und ich verließ den Raum wieder mal früher um noch in die Mensa gehen zu können. Connor tat das zufällig zur gleichen Zeit also liefen wir noch ein wenig zusammen und unterhielten uns. Er hat als Graduate Student natürlich sein eigenes Büro und forscht aktuell an künstlicher Intelligenz zum Auffinden von geothermischen Gebieten (oder so ähnlich, nagelt mich nicht drauf fest). Es war ein kurzes nettes Gespräch und ich muss mir auf jeden Fall überlegen, wie ich mal mit den Geodäsie-Leuten hier in Kontakt komme. Da habe ich nämlich noch keine Strategie.

Nachdem ich in der Mensa einen Chicken-Bacon-Burger mit Fries und Onion Rings gegessen hatte (Welcome to 'Murica) ging ich mit Diana kurz zum OISS, da wir von denen gestern eine Mail bekommen hatten, dass wir schleunigst unsere Adresse updaten sollen. Ellie teilte uns mit, dass wir lediglich unsere US-Handynummer als unsere "Home"-Nummer angeben müssen und nicht als was anderes. Damit wäre das geklärt. Ich ging zurück in die Sierra Hall wo ich im Konferenzraum zu nichts nutze war. Um 16:30 Uhr stand wieder Muscle Hustle an, wozu Joaquin wieder mitkam. Im Fitnesscenter angekommen dann der Schock: Vor lauter Müdigkeit und Lustlosigkeit hatte ich meine Sportschuhe vergessen. Beschämt ging ich trotzdem in den Kurs und fragte Mia ob das auch mit Socken geht. Sie sagte ja, aber ich solle aufpassen und einige Übungen bei Bedarf lieber nicht mitmachen. Also machte ich 50 Minuten Muscle Hustle ohne Schuhe mit. So viel Unterschied gab es gar nicht, ich war am Ende immer noch fertig. Zurück im Wohnheim war ich so müde, dass ich erstmal 30 Minuten schlief und danach duschte. Ich schlüpfte in meinen neuen Wolf Pack-Pullover und ging wieder mal in die Mensa mit den anderen. Es war wohl Mac and Cheese-Abend, denn es gab 5 verschiedene Arten Mac and Cheese, die gar nicht mal so schlecht waren. Nach diesem Schmaus stand dann Karaoke in der Student Union auf dem Plan...

...wo wir aber nicht hingingen, da die anderen entweder noch zu tun hatten oder keine Lust hatten. Soviel also dazu. Wir verbrachten den Abend also im altbekannten Konferenzraum, wo erst alle ruhig ihr Unizeug machten (auch ich, ich hab eigentlich immer was zu tun), dann aber langsam in spannendere Themen übergingen. Die Athletik-Gruppe (Olaia, Ema, Rayven und Daniel) waren diesmal auch wieder mit dabei. Es scheint, als würden die so langsam bei uns mit rein rutschen, auch wenn sie einen komplett anderen Tagesplan haben als wir. Da ich einen Song von Mahmood hörte, sprach ich Ema darauf an, woraufhin wir etwa eine Stunde über den ESC sprachen und Songs anhörten. Auch Olaia beteiligte sich und beide wollten Rayven zeigen was der ESC ist. Ich denke nicht, dass sie verstanden hat, worum es dabei geht, aber zumindest schien sie nicht sofort angewidert, als sie "Toy" von Netta hörte. Am Ende schrieben wir das Whiteboard im Raum noch mit Namen und Ausdrücken auf verschiedenen Sprachen voll. Madi kam zwischendurch rein und übergab uns allen einen Valentinstags-Button als Geschenk! Anscheinend wird das hier wirklich zelebriert. Wenn man sich die Regale in den Supermärkten und die zahlreichen Events so anschaut, könnte man meinen, dass es in den USA den gleichen Stellenwert hat wie Weihnachten. Olaia war noch so nett und gab uns ihre P.O. Box-Adresse, falls wir mal eine brauchen. Das ganze Atlethik-Team benutzt eh schon ihre, also ist es ihr egal. Gut zu wissen. Und dann... ja dann ist der Tag auch schon wieder vorbei. Komisch, eigentlich dachte ich, dass heute ein voller, stressiger und aufregender Tag wird, aber irgendwie brauchten gefühlt alle ein bisschen Ruhe. Naja, mir soll es recht sein. Bis morgen!

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Musikempfehlung des Tages: 21 Savage - Out for the Night

12Februar
2020

Der verlorene Blogeintrag

Tja, da war er auf einmal weg. Den heutigen Blogeintrag hatte ich zu etwa 70% fertig, hatte ihn aber noch nicht gepostet, weil ich dachte, ich mache ja morgen eh gleich weiter. Was war: Zu Beginn der Numerical Modeling-Stunde packte ich ihn aus und fand einen großen Bluescreen vor. Der Computer startete neu und alles war weg. Naja, so ist es eben. Ich will nicht alles nochmal schreiben, daher hier eine Kurzzusammenfassung:

- Spät aufgestanden, in einem der vielen Unigebäude am Blog weitergeschrieben, danach Mensa, Vittoria (sie ist eine der RA's der Sierra Hall) saß mit am Tisch, aktuell sind "Penny Wars" in der Sierra Hall (jeder Stock hat ein Glas in das man Münzen reinwerfen kann und wer am Ende gewinnt, bekommt eine Party - man kann auch Minuspunkte an die anderen verteilen)

- Ich wollte in den Wolfshop weil es da viel Rabatt gibt, fand zufällig eine kleine Messe in der Student Union mit STEM-Betrieben und -Staatsbehörden, entschied mir Zeit dafür zu nehmen da erstaunlich viele Geo-Betriebe da waren, habe nette Gespräche geführt, die meisten haben allerdings zu nichts geführt da alle meinten dass ich als Ausländer nicht einfach so bei ihnen arbeiten kann, dennoch waren viele interessiert, gerade die staatlichen Einrichtungen wie der US National Park Service usw waren sehr interessant, mal sehen ob es mir was gebracht hat, danach ging es in den Wolf Shop weil es da heute 30% auf alles gab, ich wollte einen Pullover kaufen aber fand keinen 100% passenden, deswegen nahm ich den billigsten für 25$ in L (der war zumindest ein bisschen schön), dazu noch eine Cap, Batterien und einen Magneten, insgesamt 52$, mit 30% Rabatt sind es 37$, ich hatte noch einen 10$ Gutschein also 27$, nicht schlecht

- Ich hetzte zum Geography Colloquium weil ich so viel Zeit verplempert hatte, Dr. Oster von der Vanderbilt University sprach über die Niederschlagsgeschichte von Nordamerika die sie aufgrund von Isotop-Daten von Stalagmiten aus verschiedenen Höhlen in den USA rekonstruieren konnte, der Raum war übervoll, ich schrieb die Zusammenfassung danach gleich in der Bibliothek, dann ging es auch schon wieder in die Mensa, zu neunt waren wir da

- Abends wieder Konferenzraum, ich musste produktiv sein da ich morgen ein Assignment abzugeben habe, ich schaffte es aber musste es noch ausdrucken, lief um 23:15 Uhr nochmal in die Bibliothek, druckte es aus, kam um 23:50 Uhr wieder in der Sierra Hall an und fand die anderen in Brooke's und Reggy's Zimmer, wo sie einen Schnulzenfilm schauten und Leuten Make-Up verpassten, ich hielt mich bei beidem raus, Bettgehzeit

Da habt ihr's. Alles woran ich mich jetzt noch erinnern kann. Einen täglichen Blog zu managen ist eben nicht immer leicht. :) Gerade jetzt, wo die Zugriffszahlen teilweise bis auf 40 pro Tag steigen, hoffe ich, dass mir meine treue Leserschaft und alle Neulinge dennoch Gefallen an meinen täglichen Abenteuern in Reno finden. Okay, das klang sehr hochgestochen. Ihr wisst was ich meine. Cheers!

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Musikempfehlung des Tages: Future feat. Drake - Life Is Good